Ein Beitrag zur Nordsee-Konferenz 2026 – Offshore-Windparks und Wasserstoffspeicher
Autor: Tino Josef Ritter
[Hamburg] Gestern tagte die Nordsee-Konferenz der Nordsee-Anrainerstaaten in Hamburg. Ziel war es, die „grenzüberschreitende Zusammenarbeit beim Ausbau der Windenergie auf See und der Wasserstoffinfrastruktur aus[zu]weiten“ [1].
Dabei gibt es sowohl in Fragen des weiteren Zubaus von Windkraftanlagen als auch bezüglich des Baus der Wasserstoffspeicher kritische Stimmen.
Technisch stelle sich für eine weitere Ansiedlung von Windparks das Problem der gegenseitigen Abschattung, vor allem für Windparks, für welche die Flächen bereits vergeben seien, so Dr. Bernhard Stoevesandt. Für eine zukünftige Windparkentwicklung verweist er zudem auf steigende Kosten und logistische Herausforderungen immer küstenfernerer oder weniger dichter Windparks.
Das politische Ausbauziel der Offshore-Windparks auf eine installierte Nennleistung von 70 GW oder bei Konzepten der Flächenausweitung und Co-Nutzung von 82 GW droht jedenfalls dann zu scheitern, wenn – wie zuletzt – Investoren wegen der Überregulierung und unkalkulierbarer Kosten ausbleiben. Dabei stand der gewünschte Ausbau mit 9,2 GW installierter Leistung in 2024 noch am Anfang.
Nicht zuletzt muss der produzierte Strom auch an Land gebracht und dorthin geleitet werden, wo der Strom benötigt wird. Da das Stromnetz nur eine begrenzte Kapazität Strom aufnehmen und transportieren kann, kommt es dort regelmäßig zu Engpässen. Diesen begegnet man mit Strategien und Konzepten des Redispatch, smartem Lastenmanagement oder man regelt die Windkraftanlagen einfach ab. Abgeregelt werden Windkraftanlagen (WKA) jedoch auch, wenn der anstehende Wind die Abschaltgeschwindigkeit erreicht, da die einzelnen WKA durch eine zu große Windlast Schaden zu nehmen drohen. Die nachfolgende Grafik zeigt den Verlust der jährlichen Stromerzeugung durch die Abregelung der Erneuerbaren Energien (EE).
Dass gerade die Abregelung der Offshore-Windparks sichtbar zunimmt, lässt grundsätzlich nach dem Sinn eines weiteren Ausbaus fragen, solange nicht Speicher zur Flexibilisierung der volatilen Windenergie und die Netzanbindungen ausgebaut werden. Da auch die Wasserstoffstrategie Thema der Konferenz ist, scheint den Veranstaltern das Problem der fehlenden Speicher bewusst zu sein.
Die Idee einer nationalen Wasserstoff-Infrastruktur zum Transport und zur Speicherung erzeugten Wasserstoffes erhielt mit dem Scheitern des Wasserstoff-Kernnetzes unter Bundeswirtschaftsminister a.D. Robert Habeck einen herben Rückschlag. Nicht zuletzt stellte auch der Bundesrechnungshof das Scheitern des Projektes fest. Da Wasserstoff im gasförmigen Aggregatzustand sehr flüchtig ist, versucht man ihn zur Speicherung mit hohem Druck (p > 253 bar) zu verflüssigen oder an flüssige Träger (LOHC/ Ammoniak) zu binden. Beide Verfahren sind im Ein- und Ausspeicherprozess energieaufwendig, damit kostenbelastet und transportwegabhängig unwirtschaftliche Nischenlösungen.
Dennoch stellt sich die Frage, ob es zum Wasserstoff keine geeignetere chemische Speicherlösung gibt oder ob man nicht auf andere Lösungen wie Hydraulik- oder Potentialspeicher zurückgreifen könnte. So hatte Belgien bereits offshore einen Ringwallspeicher mit 380 MWh Speicherkapazität angedacht. Energiespeicher energieerzeugernah in das Meer zu bauen, wurde bereits in verschieden
en technischen Lösungen gedacht.
Ohne den zusätzlichen Ausbau der Stromnetzkapazität und die Digitalisierung des Stromnetzes zum Smart Grid werden auch die Kapazitäten solcher Speicher wirkungslos verpuffen und die zwingend erforderliche Flexibilisierung zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit nicht realisierbar sein. Auch für die Energiewende ist die Digitalisierung ein Schlüsselmoment und für Deutschland ein weiteres großes Infrastrukturproblem.
Will man Strom dennoch chemisch speichern, dann gibt es bereits Alternativen zu Wasserstoff. Mit der Co-Elektrolyse hatten die Unternehmen Sunfire, Climeworks und INERATEC in Zusammenarbeit mit dem KIT ein Verfahren zur Herstellung eines Synthesegases entwickelt, welches aus Wasser und CO2 gewonnen wird. Dieses Synthesegas ist nicht nur leichter zu speichern und zu transportieren als Wasserstoff, sondern lässt sich in weiteren Verfahren zu synthetischem Rohöl und damit auch zu synthetischen Kraftstoffen verarbeiten. So betankt wäre der Verbrennungsmotor ein CO2-neutraler Antrieb.
[1] https://www.erneuerbare-energien-hamburg.de/de/blog/details/abschattung-von-windparks.html
